Alter Staudegen

Textauszug: Klare Sache, wenn ich noch einmal zur Welt komme, wäre ich gerne ein Stau. Ja, richtig, ein Stau. Einer jener Zeitgenossen, die sich gerne in Ruhe ausdehnen, wenn wir es mal wieder eilig haben. Als Stau wäre ich den ganzen Tag an der frischen Luft, wäre überwiegend von herrlich begrünten Böschungen und kleinen Wäldchen umgeben. Als Stau hätte ich es nicht richtig eilig, würde mich in Ruhe Kilometer über Kilometer auf dem ausgefahren Asphalt fläzen und würde halb belustig in die Gesichter frustrierter Autofahrer blicken.

Thema: Wenn man als Stau wiedergeboren würde…
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Freizeitraub

StauTextauszug: Heute ist es mal wieder an der Zeit, mir selber ein wenig Leid zu tun. Warum auch nicht? Sonst bedauert mich ja niemand. Noch nicht einmal die Frau, die mir die Welt erklärt. Was natürlich überaus bedauerlich ist. Schließlich gehöre ich zu den bemitleidenswerten vier Prozent aller Deutschen, die länger als eine Stunde zu ihrem Arbeitsplatz unterwegs sind. Selber Schuld werden nun viele denken. Andere werden denken, warum zieht der Blödmann nicht um? Na ja, wie soll ich es sagen? Da gibt es so etwas wie den Wohlfühlfaktor in den eigenen Wänden; da gibt es so etwas wie den Freundeskreuz; da gibt es so etwas wie den kurzen Schulweg für den süßesten Sohn der Welt, der zufällig mein Stammhalter ist; da gibt es so etwas wie eine halbwegs vernünftige Fahrzeit zur Arbeit für die Frau, die mir die Welt erklärt. 

Inhalt: Der tägliche Weg zur Arbeit als Zeitfresser
Länge: 2.208 Zeichen
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Stau-Staunen

AutoTextauszug: Vermutlich sind es Tausende von Autofahrern, die tagtäglich den Gott des Straßenverkehrs vergeblich anflehen. Nicht wenige beten vor dem Antritt der Fahrt ein „unsern täglichen Stau gib uns bitte nicht heute“ herunter. Und dann ist es doch wieder so weit. Hinter irgendeiner Biegung wartet dann wieder plötzlich zu wenig Straße auf zu viele Autos. Dabei gibt es eigentlich genug Straßen in unserem Land. Zehntausende von Kilometern – vor allem in ländlichen Regionen Bayerns, Niedersachsens, Schleswig-Holsteins, in Thüringen, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern – sind wenig bis gar nicht befahren. Oft rollt hier stundenlang nicht ein einziges Auto entlang. Vermutlich, weil alle im Stau stehen. Was daran liegt, dass sich scheinbar alle Autos gleichzeitig über die gleiche Straßenabschnitte bewegen wollen, während andere Straßenabschnitte komplett gemieden werden und leer sind.

Inhalt: Wie Staus vermieden werden könnten
Länge: 2.605 Zeichen
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Nettoknutschzeit

PärchenTextauszug: Nur beim Warten scheint die Zeit irgendwie nicht vergehen zu wollen. Ansonsten halten wir es in unserer bisweilen hektischen Zeit eher mit Paulchen Panther, der ja dereinst einprägsam und melodisch zum Ende jeder Sendung sein „Wer hat an der Uhr gedreht“ skandierte. Denn nicht selten fragen wir uns, wo die wertvolle Zeit geblieben ist? Antworten darauf liefern uns unsere Statistiker. So erfahren wir, dass der Mensch in unseren Breitengraden im Schnitt ganze 24 Jahre und fünf Monate seines ohnehin zeitlich begrenzten Erdendaseins schlichtweg verpennt. Dagegen muten die insgesamt sechs Monate, die wir mit mehr oder weniger langen Sitzungen auf der Toilette verbringen, fast schon wie ein – mit Verlaub gesagt – Fliegenschiss an.

Inhalt: Womit der Mensch rechnerisch seine Zeit verbringt
Länge: 2.309 Zeichen
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Verkehrsaderverstopfungsdeutung

Textauszug: Was haben wir uns im letzten Jahr alles zusammengestaut – die Frau, die mir die Welt erklärt und meine Wenigkeit. Ganz ehrlich, unsere gigantische Stauleistung geht auf keine Kuhhaut. Oder sollte ich lieber sagen Asphaltdecke? Stundenlang haben wir uns Stoßstange an Stoßstange, Zentimeter für Zentimeter vorwärtsbewegt im Tempo einer lahmenden Schnecke. Auf Autobahnen, Schnellstraßen, Landstraßen, in den Innenstädten, bei der kurzen Fahrt zum Kiosk an der Ecke und beim Einparken. Gefühlte 7.500 Tage haben wir im vergangenen Jahr im Stau gestanden.

Thema: Deutschlands Staustatistik hinterfragt.
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Stau zum Genießen

Textauszug: In der Mitgliederzeitschrift des großen Automobilclubs gab die Geistliche in einer Kolumne zu verstehen, dass ein Stau im Prinzip überhaupt nicht schlimm sei. Man muss den Stau einfach nur verstehen. Richtig genutzt, verschafft die Blechlawine neue Luft zum Atmen. Dass wir dabei häufig von den Abgasen des Vordermanns zugequalmt werden, spielt dabei für die Kirchenfrau offensichtlich keine Rolle. Wo sonst könne man „das Gefängnis des eigenen Autos verlassen“ und mit anderen ins Gespräch kommen?

Thema: Warum ein Stau gut sein kann…
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