Alter Staudegen

Textauszug: Klare Sache, wenn ich noch einmal zur Welt komme, wäre ich gerne ein Stau. Ja, richtig, ein Stau. Einer jener Zeitgenossen, die sich gerne in Ruhe ausdehnen, wenn wir es mal wieder eilig haben. Als Stau wäre ich den ganzen Tag an der frischen Luft, wäre überwiegend von herrlich begrünten Böschungen und kleinen Wäldchen umgeben. Als Stau hätte ich es nicht richtig eilig, würde mich in Ruhe Kilometer über Kilometer auf dem ausgefahren Asphalt fläzen und würde halb belustig in die Gesichter frustrierter Autofahrer blicken.

Thema: Wenn man als Stau wiedergeboren würde…
Länge: ca. 1.980 Zeichen (inklusive Leerzeichen)
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Luftige Geschmacksverwirrung

TomatensaftTextauszug: Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten – allenfalls wundern. Wobei sich viele auch über sich selber wundern dürften, wenn ihre Geschmacksknospen in der Höhenluft wieder einmal völlig verwirrt sind. Wie von Geisterhand gesteuert, erwischen sich die Flugpassagiere selber dabei, wie sie, warum auch immer, bei der netten Flugbegleiterin einen Tomatensaft bestellen, um die Lippen mit dem roten Extrakt der ausgequetschten Nachtschattengewächse ein wenig zu benetzen. Am Boden und im echten Leben käme wohl kaum jemand auf die Idee, den roten Gemüsesaft in einer Kneipe zu ordern oder gar in sich hineinzuschütten.

Länge: 2.034 Zeichen
Inhalt: Die unbändige Lust auf Tomatensaft über den Wolken
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Pfundsgemeiner Advent

Textauszug: Die Vorweihnachtszeit ist bekanntlich jene Zeit, in der nicht nur herrliche Düfte von Glühwein über gebrannte Mandeln bis hin zu leckeren Keksen überall in der Luft liegen, sondern auch jene Zeit, in der ob der Genüsse bei vielen die Kleider rasant enger werden zu scheinen. Irgendwie ist der Advent im wahrsten Sinne des Wortes pfundsgemein. Vielleicht, weil der eine oder andere in ein Weihnachtsmannkostüm schlüpfen muss, und dafür ein stattliches Bäuchlein braucht. Wobei ein Original immer besser wirkt als ein unter den roten Mantel gestopftes Kissen, das auch noch verrutschen könnte. Vielleicht ist die vorweihnachtliche Gier nach Süßkram und warmen Alkohol auch nur eine Art vierwöchiges Trainingslager, um den Magen mit Blick auf die obligatorischen Völlereien am Heiligen Abend und den folgenden Weihnachtstagen schon mal ein wenig vor zu dehnen. 

Inhalt: Warum der Advent dick macht
Länge:  1.657 Zeichen
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Wa(r)terloo

Wartender HundTextauszug: Zeit ist bekanntlich Geld. Doch Zeit hat eigentlich niemand. Was daran liegen mag, dass Selbige immer und überall eingefordert wird. Freizeit, Schlafenszeit, Arbeitszeit sind die dominantesten. Insbesondere Letztere kann hier und da auch zur Leidenszeit werden – sogar auf Lebzeit. Wir verbringen einen nicht unwesentlichen Teil unseres Lebens damit, abzuwägen, wie wir die Tage, Wochen, Monate, ja, sogar die Stunden, Minuten und Sekunden optimal nutzen können. Gerade weil die Uhr unaufhörlich tickt, können wir uns Zeitverschwendungen eigentlich kaum leisten. Und doch werden unsere persönlichen Zeitfenster immer wieder fremdbestimmt – vor allem durch Wartezeit. Wir warten ständig. Auf den Bus oder die Bahn, auf den Feierabend, auf die große Liebe, auf den Sechser im Lotto. Wir warten beim Arzt, an der Ampel, auf eine Eingebung, auf den neuen Harry Potter. Wir warten mal auf schöner Wetter, mal sehnsüchtig auf Regen.

Inhalt: Die Soziologie des Wartens
Länge: 1758 Zeichen
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Zählbar

ZahlenTextauszug: Zugegeben, mit Zahlen hatte ich es nie. Vor allem, wenn ich an der Reihe bin zu zahlen. Dann kommen meine Freunde und ich kaum auf einen gemeinsamen Nenner. Aber dies soll nicht das Thema sein. Nachher denkt manch einer, dies sei ein 08/15-Text und die Duftmarke, die hier gesetzt wird, sei von 47/11 gesponsert. Ich weiß natürlich immer, wann Zahltag ist. Und dass eine große Anzahl an Nullen durchaus wertvoll sein kann, wenn sie auf dem Scheck einer Eins folgen. Überhaupt prägen Zahlen unseren Alltag. Wir müssen die Busnummer kennen, haben Pin-, Versicherungs- und Steuernummern und fahren ein Nummerschild an der Stoßstange spazieren. Gleichzeitig hofft ein jeder, irgendwann mal eine ganz große statt eine Lachnummer zu werden.

Inhalt: Faszination Zahlen
Länge: 1.972 Zeichen
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Affenkotelett

Textauszug: Klar, als Kult-Obst und als Nummer eins auf allen Etikettierwaagen in deutschen Supermärkten hat die krumme gelbe Frucht jede Menge Aufmerksamkeit verdient. Stellen Sie sich Ihren Alltag ohne diesen ökologisch perfekt verpackten Snack vor, den nicht nur Affen lieben. Unglaubliche 14,3 Kilo Bananen verputzt ein jeder von uns pro Jahr. Darunter gibt es die Grüne-Bananen-Käufer, die zu Hause den perfekten Reifegrad abwarten, und genau dann die Schale hinunterpellen, wenn sich der erste gelbe Schimmer über die Schale senkt. Dann gibt es diejenigen, die warten, bis die Banane von schwarzen Altersflecken gekennzeichnet, mehlig und süß wird. Es gibt die Ins-Müsli-Schnibbler, es gibt die Bananen-In-eigener-Schale-Griller.

Inhalt: Die Banane als Kultobjekt
Länge: 2.080 Zeichen
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